Palliative Einsätze im Rettungsdienst

Quelle: https://www.rettungsdienst.de/wp-content/uploads/2015/10/Rettungsdienst_Ausbildung_Markus-Br%C3%A4ndli.jpg

Im Rettungsdienst ist man immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Sei es nun der Kampf um Leben und Tod bei Reanimationen oder Leichen, bei denen durch einen Arzt nur noch der Tod festegestellt werden kann. Doch besonders schwierig sind Einsätze, bei denen der Patient kurz vor dem Tod steht. Dies nennt man präfinal. Erst vor einigen Tagen wurden wir im Rettungsdienst in ein Pflegeheim alarmiert. Dort fanden wir ein Patienten mit einer sogenannen Cheyne-Stokes-Atmung vor. Das ist eine patologische Atmungsform, bei der ein periodisches An- und Abschwellen der Atemtiefe und des Abstands der einzelnen Atemzüge auftritt. Kurze Zeit später trifft auch der nachgeforderte Notarzt ein. Der intravenöse Zugang liegt bereits und auch eine Vollelektrolyt-Lösung ist angehängt. Außerdem wurde Beatmungsbereitschaft hergestellt und diagnostisch ein EKG geklebt (welches keine Auffäigkeiten zeigte) und Blutdruck sowie Puls gemessen. Da unter den angegebenen Patientendaten niemand zu erreichen ist und auch keine Patientenverfügung vorliegt, wird nach einigen Kontaktversuchen schließlich der Hausarzt des Patienten angerufen. Nach kurzer Rücksprache mit diesem entscheidet der Notarzt den Patienten gehen zu lassen. Er lässt 1 mg Morphin aufziehen und injiziert es dem Patienten. Das Rettungswagenteam packt das Material zusammen und verlässt den Raum. Nur wenige Minuten später stirbt der Patient. Auch der Notarzt und der NEF-Fahrer (Fahrer des Notarzteinsatzfahrzeugs) verlassen die Einsatzstelle. Nach einem kurzem Gespräch am Rettungswagen mit allen beteiligten Einsatzkräften (1x Notarzt, 2x Notfallsanitäter, 1x Rettungsassistent, 1x Einsatzsanitäter), fahren alle zurück an ihre jeweiligen Wachstandorte. Dieser Einsatz zeigt deutlich, dass der Tod auch im Rettungsdienst immer mit dabei ist. Der Patient war die ganze Zeit während dem Einsatz nicht ansprechbar und konnte somit seinen eigenen Willen nicht äußern. Auch lag keine Patientenverfügung vor, sodass an dieser Stelle Kontakt zu der gesetzlichen Betreuerin, die am Wochenende nicht erreichbar war und damit diese Kontaktaufnahme scheiterte, und dann einem Angehörigen, dessen Telefonnummer nicht mehr aktuell ist. Damit kam es nun dazu, dass der Notarzt sich mit dem Hausarzt des Patienten unterhielt und man sich zu dem oben beschriebenen Vorgehen und gegen eine Maximaltherapie entschied.

Der Rettungsdienst kann nicht allen Patienten helfen. In Fällen wie dem oben beschriebenen, ist es für die Patienten deutlich besser und wahrscheinlich sogar eine Erlösung, wenn keine Maximaltherapie eingeleitet wird. Doch es zeigt sich auch, wie wichtig eine Patientenverfügung in der heutigen Zeit ist, da wirklich sicher nur damit der Wunsch für den Fall des nicht-mehr äußern könnens von diesen Wünschen gesichert werden kann. Aber trotzdem gilt, wenn keine Patientenverfügung vorliegt und nicht herausgefunden werden kann, was der Wunsch ist, sollte immer eine Maximaltherapie eingeleitet werden.

Philipp K. Witte

3 Comments

  1. Hallo Phillip K. Witte,

    durch Zufall bin ich auf deinen Block gekommen und habe aufmerksam diesen Beitrag gelesen.
    Schön, dass du das Thema Patientenverfügung ansprichst, ein sehr wichtiges Thema heutzutage. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwierig es ist Menschen sterben zu lassen und keine Maximaltherapie zu ergreifen.
    Deine gewählte Formulierung ist aber sehr kritisch zu sehen. So wie du das beschreibst, ist der Patient direkt durch die Gabe von Morphin gestorben. Das wäre dann aktive Sterbehilfe und ist in Deutschland verboten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Bestimmt ist das nicht so abgelaufen. Morphin ist ein gängiges Medikament um in solchen Situationen Schmerzen zu lindern. Aber deine Beschreibung ist wie gesagt sehr kritisch zu betrachten.
    Ich vermute aufgrund deiner Qualifikation, dass du bei dem Einsatz als Praktikant dabei warst. Wenn du häufiger bei Einsätzen mitfahren darfst, berichtest du wahrscheinlich in Zukunft noch mehrmals davon. Vielleicht kann die Besatzung beim nächsten Mal deinen Beitrag Korrektur lesen bevor du ihn veröffentlichst?
    Dann lassen sich Missverständnisse vermeiden bevor sie entstehen.
    Ich bin gespannt auf deinen nächsten Beitrag und freue mich darauf ihn lesen zu können.

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    1. Vielen Dank für deine Rückmeldung zum meinem Blog, aber ich kann dir sagen, dass die Gabe von Morphin an dieser Stelle nicht das Ziel hatte den Menschen zu töten, sondern nur ihm die Schmerzen zu nehmen. Dies findet auf palliativen Stationen in ganz Deutschland so statt. Dies nennt man auch Indirekte Sterbehilfe und dies ist in Deutschland erlaubt. Ich weiß Wikipedia ist eigentlich eine nicht gerade zuverlässige Quelle, aber trotzdem werde ich an dieser Stelle darauf verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe#Indirekte_Sterbehilfe_%E2%80%93_Lebensqualit%C3%A4tverbesserung_unter_Inkaufnahme_der_Lebensverk%C3%BCrzung
      Aber trotzdem nochmals danke für deine Rückmeldung
      Mit freundlichen Grüßen
      Philipp Witte

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      1. Das sehe ich genauso wie du. Morphin zur Schmerzlinderung ist erlaubt, dass habe ich auch in meinem Beitrag so geschrieben. Nur ist deine Formulierung sehr ungünstig gewählt. Sinngemäß: Notarzt spritzt Morphin > Patient tot.

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